Entscheiden sich Patienten für eine kieferorthopädische Behandlung so stellt sich oft die Frage, ob eine festsitzende Zahnspange notwendig ist, oder die Behandlung auch mit einer losen Spange erfolgen kann. Denn auch mit losen Zahnspangen lassen sich einige Fehlstellungen behandeln.

Ob eine lose Spange verwendet wird oder werden kann, ist von einigen Faktoren abhängig und ist unter anderem auch eine Kostenfrage.

Das Wichtigste vorab:

  • Lose Zahnspangen werden häufig bei Kindern zur Vorbehandlung zur festen Zahnspange eingesetzt. Aligner-Schienen können dagegen bei Kindern und Erwachsenen für fast alle Zahnfehlstellungen verwendet werden.
  • Bei losen Spangen unterscheidet man FKO-Geräte, Aktive Geräte, Aligner und Retentionsschienen & -platten
  • Die Kosten starten bei den Geräten bei etwa 600 €, die Aligner sind deutlich teurer und beginnen bei etwa 2400 €.
  • Die Dauer der Behandlung mit herausnehmbaren Geräten oder Schienen ist von der Art der Behandlung, dem Grad der Fehlstellung und dem Alter des Patienten abhängig.

Wann wird eine lose Zahnspange benötigt?

Die bekannten losen Zahnspangen, welche aus einem Kunststoffgerüst mit eingebetteten Drahtelementen besteht, werden je nach Art und Grad der Zahnfehlstellung und Behandlungsmethode unterschiedlich eingesetzt.

Es gibt drei Anwendungsgebiete für herausnehmbaren Zahnspangen.

Meistens dienen sie der Vorbehandlung für die eigentliche Behandlung mit der festsitzenden Zahnspange, bis alle bleibenden Zähne durchgebrochen sind.

Die unsichtbaren Kunststoffschienen, die sogenannten Aligner, werden ausschließlich für die Hauptbehandlung verwendet. Sie dienen der Korrektur von leichten bis mittelschweren Zahnfehlstellungen wie bspw. dem Überbiss.

Herausnehmbare Kunststoffgeräte oder bestimmte Kunststoffschienen können zudem in der Retentionsphase eingesetzt werden. Hier dienen sie ausschließlich als passive Apparatur dem Halt der erreichten Position und stabilisieren diese.

Das einstellen bzw. verstellen einer losen Spange

Nicht alle herausnehmbaren Zahnspangen können oder müssen nachjustiert werden. Spangen, welche als Platzhalter dienen oder der Stabilisierung der Zähne während der Retentionsphase, werden nach der Herstellung nicht mehr verändert. Eine Variante dieser herausnehmbaren Geräte stellt bspw. die Knirschschiene dar, welche ebenfalls nicht nachgestellt wird.

Werden lose Zahnspangen durch das regelmäßige Einsetzen und Herausnehmen locker, so können die Drahtelemente zur Befestigung nachgebogen werden, wodurch sie wieder fester sitzt.

Wird durch die lose Apparatur eine aktive Behandlung durchgeführt, so muss sie immer wieder aktiviert werden. Dies geschieht durch eingebaute Schrauben, welche durch Drehung z. B. den Kiefer verbreitern können. Diese Aktivierung erfolgt entweder durch den Kieferorthopäden oder, nach gründlicher Einweisung durch den behandelnden Arzt, durch den Patienten selbst.

Der Unterschied zur festsitzenden Zahnspange

Wie der Name schon sagt, können lose Zahnspangen im Gegensatz zur festen Spange, jederzeit entfernt werden. Dadurch sind die Nahrungsaufnahme und Mundhygiene nicht eingeschränkt. Jedoch ist diese Art der Behandlung dementsprechend von der Mitarbeit des Patienten abhängig und die jeweiligen Kräfte wirken nicht 24h am Tag auf den Kiefer ein.

Zudem werden herausnehmbare Geräte meist nur zur Korrektur von leichten Fehlstellungen eingesetzt oder nur als Platzhalter. Auch zur Vorbehandlung für die eigentliche Behandlung mit einer Multiband-Apparatur können sie verwendet werden. Komplexe Zahnkorrekturen sind mit dieser Variante nicht möglich. Hierfür werden feste Zahnspangen benötigt.

Behandlungsdauer und Anwendung der losen Zahnspange bei Kindern und Erwachsenen

Behandlungsdauer einer losen Zahnspange

Die Behandlung mit einem herausnehmbaren Gerät erfolgt aus unterschiedlichen Gründen. Daher lässt sich eine Aussage über die Behandlungsdauer nicht verallgemeinern.

Wird die herausnehmbare Zahnspange bei Kindern in der Frühbehandlung eingesetzt, welche gleichzeitig die Vorbehandlung für die feste Zahnspange darstellt, so muss man mit einer Behandlungszeit von etwa 1,5 Jahren rechnen. Als Hauptbehandlung erstreckt sich die Dauer der Behandlung auch von ca. 1 bis 2 Jahren, wobei meist trotzdem anschließend die Behandlung mit einer festsitzenden Apparatur folgt.

Die durchsichtigen Schienen, die sogenannten Aligner, können bei Kindern und Erwachsenen zum Einsatz kommen. Die Behandlungsdauer lässt sich pauschal nicht eingrenzen. Sie ist sowohl vom Grad der Fehlstellung als auch vom Alter und Compliance des Patienten abhängig.

Bei der Nachbehandlung, also der Retentionsphase, können ebenfalls Schienen und herausnehmbare Geräte verwendet werden. Dazu gehören die Retentionsschiene und die Retentionsplatte. Diese müssen mindestens 2 Jahre getragen werden, im besten Fall jedoch ein Leben lang.

Lose Spange Erwachsene vs. Kinder

Bei Kindern werden herausnehmbare Geräte meist zur Vorbehandlung bzw. Frühbehandlung eingesetzt. Die Hauptbehandlung erfolgt je nach Grad der Fehlstellung und des Gebisses gegebenenfalls mit Alignern.

Bei Erwachsenen finden als herausnehmbare Variante hauptsächlich die Aligner Verwendung. Sie können bei fast allen Zahnfehlstellungen eingesetzt werden und werden häufig aus ästhetischen Gründen gewählt.

orteile und Nachteile der lose Zahnspangen

Vorteile von losen Zahnspangen

  • Herausnehmbar
  • Essen wird nicht eingeschränkt
  • Einfache Reinigung von Zähnen und Geräten
  • Müssen z. T. nur nachts getragen werden
  • In unterschiedlichen Farben verfügbar

Nachteile von losen Zahnspangen

  • Sprachprobleme
  • Plastik und Drähte können sich verformen
  • Spange wird nicht 24/7 getragen
  • Ggfls. Längere Behandlung
  • Druckschmerzen nach Anpassung

Arten von locken Spangen

FKO Geräte für Kindern

Funktionskieferorthopädische Geräte behandeln Zahn- und Kieferfehlstellungen von Kindern nicht aktiv, sondern liegen weitestgehend passiv im Mundraum. Sie nutzen die natürliche Schluckbewegungen und die Muskulatur des Kieferbereichs um Fehlfunktionen abzubauen und eine gewünschte Gebissentwicklung zu fördern. Zu den FKO-Geräten zählen Aktivator, Bionator, Funktionsregler und Doppelvorschubplatten. 

Aktive Geräte bei Kindern

Aktive Geräte werden ebenfalls bei Kindern eingesetzt und wirken im Gegensatz zu den FKO-Geräten aktiv. Es handelt sich um Kunststoffplatten, welche mit Drahtelementen an den Zähnen befestigt werden. Zusätzliche Attachments wie etwa Schrauben ermöglichen eine Aktivierung und direkte Kraftübertragung, um eine aktive Behandlung von Ober- und Unterkiefer durchzuführen. Zu den aktiven Geräten zählt unter anderem auch der Headgear.

Aligner/ Invisalign

Aligner, oder im speziellen Invisalign, werden bei Kindern und Erwachsenen eingesetzt. Mit Hilfe dieser Kunststoffschienen können leichte bis mittelschwere Fehlstellungen mit einer gezielten Zahnbewegung korrigiert werden. Da der Kunststoff sehr dünn und durchsichtig ist, ist diese Art der herausnehmbaren Zahnspangen nahezu unsichtbar. Daher wird sie zudem gerne aus ästhetischen Gründen gewählt.

Retentionsschiene & -platte

Herausnehmbare Geräte, welche in der Retentionsphase eingesetzt werden, sind die Retentionsschienen oder Retentionsplatten. Diese dienen der passiven Stabilisierung der Zahnreihen, um ein Zurückwandern der Zähne nach der aktiven Behandlung zu verhindern. Diese Phase dauert mindestens 2 Jahre bis lebenslang.

Kosten und Kostenübernahme

Kosten eine losen Zahnspange

Die Kosten sind je nach Art und Verwendung der losen Zahnspange sehr variabel. Bei einer herausnehmbaren Zahnspange aus Kunststoff mit Drahtelementen liegen die Kosten zwischen 600 und 1500 €. Die durchsichtigen herausnehmbaren Zahnschienen, Aligner bzw. Invisalign beginnen bereits mit einem Preis von 2400 € pro Kiefer.

Kostenübernahme der gesetzlichen Krankenkasse

Die Kosten für eine lose Zahnspange werden bei Kindern und Jugendlichen übernommen, wenn deren Befund mindestens in die kieferorthopädische Indikationsgruppe 3 eingeordnet wird. Eine Behandlung mit Alignern wird nicht erstattet.

Bei Erwachsenen werden für gewöhnlich keine herausnehmbaren Geräte verwendet. Wenn eine Behandlung mit herausnehmbaren Apparaturen durchgeführt wird, dann handelt es sich um Aligner. Diese werden jedoch nicht von der gesetzl. Krankenkasse übernommen.

Kostenübernahme der privaten Krankenversicherungen

Die Kosten für eine kieferorthopädische Behandlung mit herausnehmbaren Geräten oder Invisalign können von der privaten Krankenversicherung übernommen werden. Je nach Vertragsbedingungen werden unterschiedliche Kosten übernommen und es besteht u. a. bei Kiefergelenksbeschwerden ggfls. die Möglichkeit auf einen Zuschuss.

Übernahme der Kosten durch Zahnzusatzversicherung

Auch die Kostenerstattung durch eine private Zahnzusatzversicherung ist möglich. Je nach Tarif werden die Kosten für bestimmte kieferorthopädische Behandlungen und Geräte übernommen.


Hilfreiche FAQs zur lockeren Zahnspange

✅ Gibt es unterschiedliche Farben von losen Zahnspangen?

Die herausnehmbare Zahnspange besteht aus einem Kunststoffgerüst mit Drahtelementen. Der Kunststoff selbst ist farblos, kann jedoch je nach individuellem Wunsch mit unterschiedlichen Farben, Glitzer oder Motiven angepasst werden. 

Die Patienten, welche meist Kinder sind, können sich vorab Farben und Motive aussuchen. Auch mehrfarbig ist hier möglich. Eine schöne Spange, welche sich die Kinder selbst ausgesucht haben, wird von diesen eher getragen. Daher stellt die herausnehmbare Zahnspange eine kinderfreundliche Behandlungsmethode dar.

✅ Was tun, wenn die lose Spange nicht mehr passt?

Die herausnehmbare Zahnspange wird für jeden Patienten individuell angepasst. Wenn sie nicht mehr passt, gibt es hierfür unterschiedliche Ursachen. Hält sie nicht mehr richtig, kann es sein, dass die Drahtelemente, welche die Spange an den Zähnen halten, leicht verbogen sind. Diese können vom behandelnden Kieferorthopäden wieder nachgebogen werden, wodurch sie wieder richtig sitzt.

Passt die Zahnspange nicht mehr auf die Zähne, weil der Kunststoff ansteht, so ist das ein Anzeichen dafür, dass die Spange nicht regelmäßig getragen wurde. In diesem Fall sollte umgehend ein Termin beim Kieferorthopäden vereinbart werden. 

Handelt es sich um eine aktive Spange besteht häufig die Möglichkeit, dass die Schraube wieder zurückgedreht wird. Der Behandlungsfortschritt ist in diesem Fall verlorengegangen.

Handelt es sich um ein passives Retentionsgerät ist meist keine Anpassung möglich. In den meisten Fällen muss ein neues Retentionsgerät hergestellt werden.

✅ Wie reinigt man eine lose Zahnspange?

Da sich die lose Zahnspange längere Zeit im Mund befindet, setzen sich an ihr Beläge fest. Werden diese Ablagerungen nicht entfernt, können sich Bakterien bilden, wodurch die Spange stinkt. Daher muss man neben den Zähnen auch die lose Zahnspange regelmäßig reinigen.

Hierfür sollte eine extra Zahnbürste mit mittelharten bis harte Borsten verwendet werden. Damit wird die Spange unter fließendem warmem Wasser abgebürstet. Gegebenenfalls kann zusätzliche Spülmittel verwendet werden.