Das Benutzen des Schnullers, Daumenlutschen, Lippenpressen usw. sind Verhaltensweisen, welches nahezu jedes Kind als Baby und Kleinkind zeigt. Bis zu einem bestimmten Alter ist dies auch normal und stellt keinen Grund zur Besorgnis da.

Jedoch sollten diese schlechten Angewohnheiten, zahnmedizinisch als Habits bezeichnet, ab einem gewissen Alter abgestellt werden. Ist dies nicht der Fall, kann dies zu schwerwiegenden Folgen führen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Habits sind schlechte Angewohnheiten, welche sich negativ auf die Gebissentwicklung auswirken.
  • Von Habits können sowohl Kinder als auch Erwachsene betroffen sein, wobei sie bei Kindern häufiger vorkommen.
  • Werden Habits nicht abgewöhnt, so können sie das Kieferwachstum und die Zahnstellung negativ beeinflussen und so zu Anomalien in diesen Bereichen führen.
  • Habits können für gewöhnlich mittels gezielter Methoden oder durch einen betreffenden Spezialisten gut abgewöhnt werden.

Was sind Habits?

Als Habits werden in der Zahnmedizin bestimmte Angewohnheiten bezeichnet, welche als schlecht und auch schädlich eingestuft werden. Es handelt sich um angeeignete Verhaltensweisen bzw. Parafunktionen, welche meist im Kindesalter auftreten.

Diese schädlichen Verhaltensweisen, also Habits, wirken sich negativ auf den Kiefer und/oder die Zähne aus. Werden solche zahnmedizinischen Habits nicht abgewöhnt, können sie zum Teil zu schwerwiegenden Folgen für den gesamten Mund-Kieferbereich führen. Dies betrifft Zahnfehlstellungen, Kieferanomalien und kann bis hin zu craniomandibuläre Dysfunktionen führen.

Derartige Verhaltensweisen werden meist unbewusst durchgeführt. Eine Abgewöhnung von Habits erfordert daher oft erst das Bewusstwerden der Angewohnheit und ist dementsprechend erschwerlich. Unterstützung durch Kieferorthopäden, HNO-Ärzten oder Logopäden können diese oft erst möglich machen.

Arten von Habits

Wird von Habits oder auch Dyskinesien bei Kindern und Erwachsenen gesprochen, lassen sich diese in folgende drei Gruppen einteilen:

ArtenBeschreibung
Gewöhnliche HabitsDazu gehören klassische Angewohnheiten bei Kindern, wie bspw. das Lutschen am Daumen oder anderen Gegenständen.
Autoaggressive HabitsDies sind meist emotionale oder stressbedingte Angewohnheiten und umfassen bspw. Das Fingernägelkauen oder das Lippenbeißen (autoaggressives Verhalten).
Orofaziale DysfunktionAuch bekannt als unphysiologische Bewegungsabläufe, welche auf einer Störung der Muskelfunktion im Kopfbereich basieren. Dazu gehört bspw. ein falsches (viszerales) Schluckmuster.

Angewohnheiten bei Kindern und Erwachsenen

Habits bei Kindern

Habits treten meist bei Babys und Kleinkindern auf. Viele Angewohnheiten sind in den ersten Jahren normal. Halten diverse Parafunktionen jedoch über das 4. Lebensjahr an, so spricht man von schädlichen Angewohnheiten, welche abgewöhnt werden müssen.

Zu den Gewohnheiten bei Kindern zählen u. a.:

  • Lippensaugen und -beißen
  • Daumenlutschen
  • Fingernägelkauen
  • Lutschen an Stiften, Schnuller, etc.
  • Zungenpressen
  • Kauen an Stiften o. ä.
  • Wangensaugen und -beißen
  • Mundatmung
  • Zähneknirschen (Bruxismus)
  • Falsches Schluckmuster

Im Kindesalter befinden sich die Kiefer noch im Wachstum. Unnatürliche Angewohnheiten können dieses Wachstum beeinflussen und somit schwere Folgen nach sich ziehen. Dies kann zu Kiefer- und/oder Zahnanomalien führen gegebenenfalls das Gebiss des Kindes schädigen. Eine frühe Abgewöhnung der Habits ist daher anzuraten, um schwerwiegende Folgen zu umgehen.

Habits bei Erwachsenen

Habits finden sich auch bei Erwachsenen. Im Gegensatz zu Kindern treten sie hier jedoch seltener auf. Diese Angewohnheiten treten häufig in Verbindung mit Stress auf. Bei erwachsenen Männern und Frauen zeigen sich unter anderem folgende Habits:

  • Zähneknirschen (Bruxismus)
  • Falsches Schluckmuster
  • Mundatmung
  • Zungenpressen

Auch weitere Habits können sich im Erwachsenenalter zeigen. Diese wurden im Kindesalter nicht oder nicht nachhaltig behandelt und werden meist durch Stress wieder hervorgerufen. Auch hier führen schlechte Angewohnheiten zur Beschädigung des Gebisses und können auch mit Kiefergelenksbeschwerden und Verspannungen einhergehen.

Folgen von unbehandelten Habits

Prävention ist besser als Behandlung. Am besten ist es, Habits frühzeitig zu erkennen und abzugewöhnen. Spätestens ab dem 4. Lebensjahr müssen schädliche Verhaltensweisen abgelegt werden, um Spätfolgen zu vermeiden. Die Folgeschäden können je nach Häufigkeit und Art der Angewohnheit unterschiedlich stark ausfallen.

Zahn- und Kieferfehlstellungen aufgrund von Habits

Schlechte Angewohnheiten werden meist sehr häufig durchgeführt. Dies führt dazu, dass ein vermehrter unnatürlicher Druck bzw. Belastung in dem betroffenen Bereich ausgeübt wird.

Zeigt ein Kind ein unerwünschtes Verhalten wie bspw. das Daumenlutschen, werden die vorderen Zähne kontinuierlich daran gehindert aufeinanderzutreffen. Zudem zeigt sich eine erhöhte Muskelaktivität im Wangenbereich. Dies führt häufig zu dem sogenannten lutschoffenen Biss, bei welchem die Frontzähne keinen Kontakt mehr zueinander finden.

Eine derartige Fehlstellung erschwert einem Kind nicht nur das Abbeißen von Nahrungsmitteln, sondern führt bei schwerwiegenden Fällen auch dazu, dass das Abbeißen für das Kind unmöglich wird.  

Zu den klassischen Zahn- und Kieferfehlstellungen aufgrund der Nichtbehandlung von Habits fallen folgende Anomalien:

Weitere Folgen bei unbehandelten Parafunktionen

Neben den typischen Fehlstellungen, welche bereits erwähnt wurden, gibt es zahlreiche weitere negative Auswirkungen, welche durch unbehandelte Habits hervorgerufen werden können. Hierzu zählen u. a.:

  • Mundatmung
  • Erhöhtes Kariesrisiko
  • Erhöhtes Risiko für Erkrankungen der oberen Atemwege
  • Fehlender Lippenschluss
  • Vergrößerte Frontzahnstufe
  • Hoher Gaumen (Schmalkiefer), dadurch gestörte Nasenatmung
  • Zwangsbiss
  • Belastung der Kiefergelenke
  • Craniomandibuläre Dysfunktion

Behandlungsmethoden von Habits

Zunächst sollte im frühen Kindesalter, ein Kieferorthopäde aufgesucht werden. Dieser kann die aktuelle Situation bewerten und eventuell gegebene Habits erkennen.

Wenn Sie mehr Informationen über den richtigen Zeitpunkt einer Behandlung wissen möchten, finden sie hier das wesentliche zum Thema Behandlungsbeginn in einem Beitrag zusammengefasst. 

Sind schlechte Angewohnheiten vorhanden kommt es darauf an, um welche Art von Habits es sich handelt und wie häufig diese gezeigt werden. So kann bestimmt werden, welche Behandlungsart die beste für den bestehenden Befund ist.

Behandlung durch die Eltern

Eine Behandlung durch die Eltern ist in diesem Zusammenhang etwas falsch dargestellt, da die Eltern natürlich keine Behandlung per se durchführen. Jedoch gibt es bestimmte Möglichkeiten, welche die Eltern selbst durchführen können, um dem Kind Habits abzugewöhnen.

Zum einen sollten Eltern versuchen, dem Kind früh den Schnuller und den Gebrauch von Nuckel Flaschen abzugewöhnen. Um das Daumenlutschen abzugewöhnen gibt es spezielle bitter schmeckende Gele, welche auf den betroffenen Finger aufgetragen werden können. Auch die Zeichnung eines lachenden Gesichts auf den Finger, welcher durch das Lutschen verschwinden würde, kann helfen, dieses Habit abzugewöhnen.

Behandlung durch den Kieferorthopäden

Reichen die Versuche der Eltern nicht aus, so kann die Abgewöhnung von Habits kieferorthopädisch unterstützt werden. Mit einer Mundvorhofplatte im Zuge einer Frühbehandlung ist es möglich, Nuckeln und Lutschen abzugewöhnen.

Zudem kann der Kieferorthopäde die Habits erkennen und auf weitere Spezialisten, wie einen HNO-Arzt oder Logopäden, verweisen.

Behandlung durch den Hals-Nasen-Ohren Arzt

Es gibt gewisse Fehlstellungen im Gesichtsbereich, welche die Atmung beeinträchtigen kann. Davon ist vor allem die Nasenatmung betroffen, wodurch die ungesunde Mundatmung begünstigt werden kann.

Der HNO-Arzt kann durch Untersuchungen feststellen, ob Anomalien der Nasenscheidewände oder Verengungen vorliegen, welche die Atmung beeinträchtigen.

Behandlung durch Logopäden oder Ergotherapeuten

Logopäden und Ergotherapeuten zielen darauf ab, die Muskulatur zu trainieren um eine gesunde Muskelbelastung zu erreichen. Auch im Bereich oraler oder nasaler Auffälligkeiten, können diese Behandlungsmöglichkeiten helfen.

Durch spezielles Training der Muskulatur ist es möglich, die Atmung zu verbessern und ein falsches (viszerales) Schluckmuster effektiv zu behandeln.

Selbstbehandlung von Habits

Da es sich um unbewusste Angewohnheiten handelt, ist es hilfreich sich dessen bewusst zu werden. Spickzettel oder farbige Punkte können als Erinnerung dienen, um bestimmte Habits, wie z. B. Zähneknirschen, zu unterlassen.

Handelt es sich jedoch z. B. um ein falsches Schluckmuster, so sollten auch erwachsene Männer und Frauen einen Spezialisten zu Rate ziehen. 

Ungewollten Funktionen vorbeugen

Habits treten meist im frühen Kindesalter auf. Wichtig ist es, diese zu erkennen und frühzeitig dagegen vorzugehen. Eine frühzeitige Vorstellung beim Kieferorthopäden ermöglicht eine dementsprechend frühe Erkennung von schlechten Angewohnheiten. Dadurch ist es möglich, zeitig einzugreifen, um späteren Folgeschäden entgegenzuwirken.

Eltern können selbstständig versuchen, ihrem Kind früh Habits abzugewöhnen. Spätestens zum vierten Lebensjahr sollten Angewohnheiten wie Schnullern, Nuckeln oder Saugen abgestellt sein, da sonst mit schwerwiegenden Folgen zu rechnen ist. 

Regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt können zwar auch nützlich sein, um Fehlstellungen und Fehlverhalten zu erkennen, jedoch ist der beste Ansprechpartner bei diesen Belangen ein Kieferorthopäde. Dieser ist spezialisiert auf Zahn- und Kieferfehlstellungen. Demnach erkennt dieser gewisse Fehlhaltungen frühzeitig und weiß, welche auf Möglichkeiten der Behandlung zurückgegriffen werden kann.