Sind Zähne verdreht, verschoben, beißen aneinander vorbei oder liegt eine Fehlstellung der Kiefer vor, so handelt es sich um Abweichungen vom Normalzustand. Die Normalverzahnung ist so nicht möglich und funktionelle, wie Einschränkung der Kaufunktion, und ästhetische Störungen sind die Folge.

Oft können solche Anomalien durch eine kieferorthopädische Behandlung korrigiert werden. Bei skelettalen Veränderungen reicht dies jedoch nicht aus und eine kieferchirurgische Operation ist notwendig, um eine Korrektur durchzuführen.

Das Wichtigste vorab:

  • Mit einer Dysgnathie-Operation werden verschiedene Kieferfehlstellungen operativ korrigiert.
  • Ist das Kieferwachstum abgeschlossen und/oder liegen schwere Fehlstellungen im Kieferbereich vor, ist eine Korrektur nur durch eine Kieferoperation möglich.
  • Bei Kindern ist das Kieferwachstum noch nicht abgeschlossen, daher ist hier oft eine Zahnspange ausreichend. Eine Operation ist meist nur im Erwachsenenalter erforderlich.
  • Die Kosten für eine Kieferoperation werden meist von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Die Kosten sind sehr variabel und liegen je nach Behandlungsbedarf zwischen 1.500 Euro und 10.000 Euro.

Die Operation einer Dysgnathie

Der Begriff Dysgnathie stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Wörtern „Dys“ (krankhaft, abweichend) und „gnathos“ (Kiefer) zusammen. Er beschreibt demnach einen Fehlbiss, welcher durch eine falsche Zahnstellung, Kieferstellung oder durch beides verursacht wird.Liegen Dysgnathien in einer ausgeprägten Form vor und ist das natürliche Kieferwachstum abgeschlossen, reicht eine rein kieferorthopädische Behandlung oft nicht mehr aus, um eine Regelverzahnung zu erreichen. Eine Kombination mit einer Kieferoperation ist hier notwendig. Diese bezeichnet man als Dysgnathie-Operation.

Wann ist eine Dysgnathie-Chirurgie empfehlenswert?

Bei Kindern ist eine kieferchirurgische Operation meist nicht notwendig. Sie befinden sich noch im Wachstum, was auch den Kiefer betrifft. Dieses Wachstum kann in einer kieferorthopädischen Behandlung genutzt werden und reicht meist aus, um eine Kieferkorrektur durchzuführen. In seltenen Ausnahmefällen kann eine OP notwendig werden.

Bei erwachsenen Männern und Frauen ist das Wachstum der Kiefer abgeschlossen. Ein Eingriff durch reine kieferorthopädische Methoden ist bei gravierenden Fehlstellungen oftmals nicht mehr möglich. Daher sind meist erwachsene Patienten von der Notwendigkeit einer Operation betroffen.

Dies ist dann der Fall, wenn gravierende Zahn- & Kieferfehlstellungen vorliegen. Hierzu zählen unter anderem starke Ausprägungen der folgenden Fehlstellungen:

Ablauf einer Dysgnathie-OP

Die kombiniert kieferchirurgisch-kieferorthopädische Behandlung setzt sich aus drei Behandlungsschritten zusammen: Prä-operative Kieferorthopädie, Operation, post-operative Kieferorthopädie.

Behandlung vor der Operation

Vor dem operativen Eingriff bringt der Kieferorthopäde mit Hilfe einer festsitzenden Zahnspange die Zähne in die richtige Stellung. Die Kieferbögen werden ausgeformt und Rotationen der Zähne korrigiert.

Diese Vorbehandlung dauert etwa 6 – 12 Monate und ist notwendig, um die exakte Endstellung der Kiefer nach der Operation zu bestimmen. Nur so kann die nachfolgende OP optimal geplant werden und zu einem möglichst perfekten Ergebnis führen.

Vorgehen während der OP mit eingegliederter Zahnspange

Die vom Kieferorthopäden eingesetzte Zahnspange wird vor der Operation nicht entfernt, da diese zur Justierung während der OP benötigt wird. Das heißt, die Operation findet mit eingesetzter Zahnspange statt. Der Ablauf der kieferchirurgischen OP ist folgendermaßen:

Chronischer AblaufBeschreibung
1. NarkoseMeist Vollnarkose über 3 – 6 Stunden (je nach OP-Umfang)
2. Dysgnathie OperationOperation der spezifischen Dysgnathie durch den Kieferchirurgen. Der Operationsverlauf ist abhängig von der Art der Dysgnathie und wird im Vorfeld genau mit dem Patienten besprochen.
3. Stationäre BetreuungPostoperativ bleibt der Patient bis zu 3 Tage unter stationär Beobachtung, um mögliche Folgen der OP zu erkennen.
4. Kieferschonung3 – 4 Wochen nach der OP müssen die Kiefer geschont werden, bevor mit der KFO-Behandlung fortgefahren wird.  Während dieser Phase darf nur weiche Nahrung aufgenommen werden.

Kieferorthopädische Nachbehandlung

Da die festsitzende Zahnspange vor der Operation nicht entfernt wird, kann die postoperative kieferorthopädische Behandlung bereits wenige Wochen danach durchgeführt werden. Sie dient dazu, die Feineinstellung der Zähne vorzunehmen.

Ziel ist es, nach der Kieferoperation die Zahnstellung einzelner Zähne abschließend zu korrigieren, um eine optimale Stellung der Zähne und der Verzahnung zu erreichen. Auch Verzerrungen im Gesichtsprofil werden so behoben.

Erfahrungen einer Dysgnathie-OP

Da die Zahnreihen vor der Operation bereits ausgeformt werden, ist eine genaue Planung und Darstellung der angedachten Operation möglich. Daher verlaufen Dysgnathie-Operationen meist reibungslos. Jedoch birgt, wie alle Operationen, auch diese gewissen Risiken.

Schwellungen und Rötungen

Während der kieferchirurgischen Operation werden dem Körper Wunden zugefügt. Dieser reagiert darauf, indem er bestimmte Entzündungsfaktoren ausschüttet. Dies wiederum führt zu einer vermehrten Durchblutung in der Mundhöhle und zu Schwellungen und Rötungen.

Entzündungen

In der Mundhöhle befinden sich naturgemäß Viren und Bakterien, welche die natürliche Mundflora des Menschen bilden. Bei Verletzungen in der Mundschleimhaut können diese in die Wunde eindringen und einen lokalen Infekt oder sogar eine Blutvergiftung herbeiführen.

Nachblutungen

Wie bei allen vernähten Wunden können sich auch die Nähte der Wunden in der Mundhöhle lockern, wodurch diese nachbluten können. Im Vorfeld ist daher eine Beratung über eingenommene Medikamente und eventueller Absetzung von Gerinnungshemmern notwendig.

Verletzung von Nerven

Eine Verletzung von Nerven kann schwerwiegende Folgen haben. Jedoch tritt dies nur sehr selten auf. Werden kleine Nerven während der Operation verletzt, kann dies zu Gefühlsstörungen in bestimmten Bereichen führen.

Welche Ärzte führen kieferchirurgische Operationen durch?

Dysgnathie-Operationen können von Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen oder plastischen Chirurgen durchgeführt werden. Die Planung des Behandlungsablaufs wird in beiden Fällen mit dem Kieferorthopäden durchgeführt. Die Überweisung zu einem Spezialisten erfolgt durch den Zahnarzt oder den Kieferorthopäden.

Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen (MKG)

Um MKG-Chirurg zu werden, muss man sowohl ein Medizinstudium als auch ein Zahnmedizinstudium erfolgreich abschließen. Daher tragen derartige Fachärzte häufig den Doppeltitel „Dr.med.Dr.dent.“. 

Plastische Chirurgen

Fachärzte der plastischen Chirurgie haben ein Medizinstudium absolviert. Im Anschluss durchlaufen sie eine Facharztausbildung in Chirurgie mit Zusatzqualifikation.

Kostenübernahme der Kieferoperation

Die Kosten für eine kieferorthopädische Behandlung werden bei Kindern übernommen, wenn sie in bestimmte kieferorthopädische Indikationsgruppen eingestuft werden. Dies beinhaltet auch die zusätzliche kieferchirurgische Operation.

Bei erwachsenen Patienten ist eine Kostenübernahme nur in seltenen Fällen möglich. Hierzu zählt jedoch, wenn die Behandlung nur durch eine Kombination aus Kieferorthopädie und Kieferchirurgie möglich ist. Dann ist eine Erstattung der Kosten durch die gesetzliche Krankenkasse meist möglich.Private Krankenversicherungen können je nach Tarif auch Kosten der Dysgnathie übernehmen. Wie auch bei privaten Zahnzusatzversicherungen ist dies von den individuell gewählten Tarifvereinbarungen abhängig.


Oftmals gestellte Fragen zur Dysgnathie-OP

✅ Ist eine Dygnatie-OP bzw. Operation der Fehlstellung immer notwendig?

Im Kindesalter befinden sich auch die Kiefer noch im Wachstum. Dies kann für eine kieferorthopädische Behandlung genutzt werden, wodurch meist keine Kieferoperation notwendig ist. Bei erwachsenen Patienten gestaltet sich dies schwieriger. Das Kieferwachstum ist abgeschlossen und lässt sich nicht mehr beeinflussen.
Bei schwerwiegenden Kieferanomalien ist daher bei erwachsenen Männern und Frauen meist eine Dysgnathie-OP notwendig. Eine vollständige Korrektur ist rein kieferorthopädische nicht möglich.

Wie hoch sind die Kosten einer OP und werden sie übernommen?

Die Kosten für eine Dysgnathie-Operation sind sehr variabel. Abhängig von Behandlungsaufwand, Ablauf und verwendeter Materialien können sich die Kosten von 1.500 Euro bis hin zu 15.000 Euro belaufen.

Die Kosten für diese Behandlung werden bei Kindern übernommen, wenn ihr Befund in bestimmte kieferorthopädische Indikationsgruppen eingestuft wird (KIG 3-5). Bei Erwachsenen ist eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse bei einer kombiniert kieferorthopädisch-chirurgischen Behandlung meist auch möglich.

Ob private Krankenversicherungen oder Zahnzusatzversicherungen die gesamten Kosten oder einen Teil davon übernehmen ist von den jeweiligen Tarifvereinbarungen abhängig. Ob und wie viel übernommen wird, muss zuvor mit der Versicherung abgeklärt werden.