Die festsitzende Zahnspange ist die Wahl der Behandlung, wenn sich Patienten gerade Zähne wünschen. Alle Zahnfehlstellungen, ob leicht oder sehr stark, können mit dieser Methode korrigiert werden.

Doch Zahnspange ist nicht gleich Zahnspange. Patienten haben unterschiedliche Bedürfnisse und Ansprüche an die feste Apparatur, welchen auch mit unterschiedlichsten Materialien entsprochen werden kann.

Das Wichtigste vorab:

  • Eine feste Zahnspange ist für die Behandlung von mittleren bis schweren Zahnfehlstellungen notwendig.
  • Man unterscheidet bei den festsitzenden Zahnspangen zwischen Bukkalbrackets, Lingualbrackets und GNE.
  • Die Kosten für eine feste Apparatur sind von mehreren Faktoren abhängig und schwanken zwischen 2000 – 9000 €.
  • Die Behandlungsdauer liegt je nach Befund, verwendeten Materialien und Alter des Patienten zwischen 6 – 24 Monaten.

Hintergründe und Wissenswertes zu festsitzenden Zahnspangen

Eine feste Zahnspange kann bei allen Zahnfehlstellungen eingesetzt werden. Ab einem bestimmten Schweregrad ist die KFO-Behandlung allerdings auch nur noch so möglich. Die feste kieferorthopädische Apparatur wird hauptsächlich im bleibenden Gebiss verwendet. 

Eine Ausnahme bildet hier die GNE, die Gaumennahterweiterung. Diese Apparatur kann im Wechselgebiss oder bleibendem Gebiss Verwendung finden. Diese Methode wird meist in Verbindung mit einer anschließenden festsitzenden Zahnspange durchgeführt.

Zum Teil wird im Rahmen einer Vorbehandlung lose bzw. herausnehmbare Zahnspangen verwendet. Grundsätzlich ist bei mittleren bis schweren Zahnfehlstellungen jedoch der Einsatz der festsitzenden Variante nötig. Diese verbleibt, im Gegensatz zur losen Zahnspange, fest im Mund und wirkt so 24 Stunden am Tag, ohne dass sie vergessen werden könnte.

Behandlungsdauer und Anwendung der festen Zahnspange bei Kindern und Erwachsenen

Behandlungsdauer

Bei Kindern und Jugendlichen dauert die kieferorthopädische Behandlung mit der festsitzenden Variante mindestens 12 Monate. In Abhängigkeit vom Schweregrad der Fehlstellung, dem Alter des Patienten und dessen Mitarbeit kann die Behandlungsdauer deutlich länger ausfallen.

Die Behandlungsdauer bei erwachsenen Patienten fällt sehr unterschiedlich aus. Sie schwankt im Bereich von 6 – 24 Monaten. Bei schwerwiegenden Fehlstellungen, welche eine zusätzliche kieferchirurgische Operation benötigen, kann sich die Dauer der Behandlung deutlich erhöhen.

Feste Zahnspangen bei Kindern und Erwachsenen

Bei Kindern und Jugendlichen wird häufig eine Vorbehandlung vor der festen Zahnspange durchgeführt. Hierfür werden herausnehmbare Zahnspangen oder GNE, also Gaumennahterweiterung, verwendet.

Sie sollen bereits Vorarbeit leisten und die eigentliche Behandlung mit der festen Apparatur unterstützen. Anschließend wird die Behandlung mit Brackets, Bändern und Drahtbögen, also der festsitzenden Zahnspange, fortgeführt. Je nach Fehlstellung und vorliegender Bissqualität können noch zusätzliche Hilfsmittel Anwendung finden.

Erwachsenen Patienten entscheiden sich für eine festsitzende kieferorthopädische Apparatur, weil Zahnfehlstellungen zu Kieferbeschwerden, ästhetischen Einbußen oder beides führen können. Die Behandlung erfolgt durch die Bewegung der Zähne mittels spezieller Drahtbögen, welche durch die befestigten Brackets und Bänder geführt werden.

Welche Vorteile/ Nachteile haben festsitzende Zahnspangen?

VorteileNachteile
Gute Zug- und DruckkraftIst beim Lächeln sichtbar
Kontinuierliche DruckausübungNach dem Einsetzen sind in der Anfangsphase Schmerzen möglich
Gesamtes Gebiss kann gezielt verändert werdenDruckempfindlichkeit auch nach Einsetzen des nächst stärkeren Drahtbogens
Wird 24/7 getragen und kann nicht vergessen werdenVerzicht bzw. Vorsicht bei bestimmten Nahrungsmitteln
Ist von Mitarbeit des Patienten nahezu unabhängigErschwertes Zähneputzen
Ggfl. Kürzere Behandlung
Robust
Durch langsame und gleichmäßige Druckausübung ist auch die Wurzelbewegung möglich

Wie funktionieren festsitzende Zahnspangen?

Festsitzende Zahnspangen bestehen grundlegend aus drei Elementen: Brackets, Bänder und Drahtbögen. Die Bänder werden über die ersten großen Backenzähne gestülpt und mit Zahnzement befestigt. Die Brackets werden meist außen auf die übrigen Zähne geklebt. 

Eine Ausnahme ist die Lingualtechnik, bei welcher sich die gesamte Zahnspange auf der Innenseite der Zähne, also zur Zunge hin, befindet.

Die Bänder und Brackets dienen als Bindeglied zwischen Drahtbogen und Zähne. Der Drahtbogen gibt die Kieferform vor und überträgt den Druck oder Zug über die Brackets auf den Zahn. So findet die eigentliche Zahnbewegung statt. Daher ist die genaue Positionierung der Brackets essenziell, damit jeder einzelne Zahn richtig bewegt wird.

Damit der Bogen hält und nicht verrutscht, muss er in den Brackets befestigt, also einligiert werden. Dies erfolgt entweder mit Gummis, welche in verschiedenen Farben erhältlich sind, oder, bei selbstligierenden Varianten, durch eingebaute Klappen

Das Ziel der kieferorthopädischen Behandlung mit einer festsitzenden Zahnspange ist es, die Zähne in die gewünschte Position zu verschieben und bei Bedarf die Kieferknochen und die Kieferstellung zueinander anzupassen.

Ist eine aufwendigere Bisslagenkorrektur notwendig besteht die Möglichkeit, dass zusätzlich Gummizüge zwischen Unterkiefer und Oberkiefer eingehängt werden, um den Druck zu verstärken. 

Bei Kindern erfolgt häufig zuvor eine Vorbehandlung mit einer herausnehmbaren Zahnspange, welche die Kiefer und Zähne für die eigentliche Behandlung mit einer festsitzenden Apparatur vorbereiten soll.

Welche Arten von festsitzenden Zahnspangen gibt es?

GNE

Die Gaumennahterweiterung, kurz GNE, wird im Rahmen der Vorbehandlung zur eigentlichen festen Zahnspange eingesetzt, um den Gaumen zu erweitern. Dies ist beim sogenannten Schmalkiefer, also wenn die Oberkieferbreite zu gering ist, notwendig. Sie stellt hierbei die effektivste Methode dar, da der Kiefer durch Knochenaufbau erweitert wird und das Ergebnis somit langfristig stabil ist.

Die Apparatur wird meist an den ersten Prämolaren und ersten Molaren befestigt und liegt wie ein Bügel am Gaumen an. Daher stört die GNE weder beim Essen noch beim Sprechen und ist sehr gut für den Einsatz bei Kindern geeignet.

Metallbrackets

Die Brackets aus Metall stellen die konventionelle Art dar und werden bei medizinischer Indikation von der Krankenkasse erstattet. Die einfachste Variante ist relativ groß, benötigt Gummiringe zur Ligatur und kann Nickel enthalten, was zu einer allergischen Reaktion führen kann.

Ersatzweise gibt es die nickelfreien Miniaturbrackets. Diese sind kleiner als die konventionellen Brackets und enthalten kein Nickel, was es auch Allergikern ermöglicht sie zu tragen. Allerdings müssen für diese Variante die Mehrkosten vom Patienten übernommen werden.

Die Metallbrackets gibt es auch als selbstligierende Variante. Da hier keine Gummiringe notwendig sind, welche sich mit Plaque vollsaugen können, ist die Mundhygiene verbessert. Zudem wird der Drahtbogen mit weniger Druck gehalten, wodurch sich die Behandlungszeit reduzieren soll.

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Keramikbrackets

Da Metallbrackets sehr auffällig sind, entscheiden sich Patienten häufig für das ästhetisch anspruchsvollere Material Keramik. Diese Brackets sind durchsichtig bzw. zahnfarben, wodurch sie deutlich unauffälliger sind und gerne im Frontzahnbereich eingesetzt werden. Eine Verfärbung der Keramikbrackets ist dabei nicht möglich.

Keramik ist jedoch ein sehr hartes und sprödes Material. Da es härter als der körpereigene Zahnschmelz ist, besteht die Gefahr, dass sich die Zähne abreiben. Zudem brechen sie leichter und müssen daher häufiger ersetzt werden, als die Alternative aus Metall. 

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Kunststoffbrackets

Brackets aus Kunststoff sind wie die aus Keramik weitaus unauffälliger als Metallbrackets. Sie können sich jedoch durch färbende Lebensmittel mit der Zeit verfärben. Dadurch nimmt die Ästhetik deutlich ab. Um das unauffällige Aussehen wieder zu erhalten, müssten die Brackets ausgetauscht werden, was mit deutlichen Mehrkosten verbunden ist.

Lingualbrackets (innenliegend)

Die Lingualtechnik stellt eine völlig unsichtbare Methode der festsitzenden Zahnspange dar. Die Brackets werden für jeden Patienten individuell, meist aus Gold, hergestellt, wodurch diese Variante sehr kostenintensiv ist.

Die Brackets werden dann an der Zahninnenseite, also auf der Zungenseite, auf die Zähne geklebt. Dadurch ist sie von außen unsichtbar, schränkt jedoch den Zungenraum ein. Dadurch kann das Essen und Sprechen des Patienten gestört werden.

Da die Zahnspange auch für den Patienten nur sehr schwer zu sehen ist, ist auch die Mundpflege deutlich erschwert.

Ausführlichere Informationen zum Thema Lingual Zahnspange bzw. Lingualtechnik finden Sie HIER.

Wie hoch sind die Kosten? Werden sie übernommen?

Was kostet eine feste Zahnspange?

Da eine feste Zahnspange unterschiedlich aufgebaut und meist lange verwendet wird, schwanken die Kosten für die Behandlung sehr. Der Preis ist abhängig von den verwendeten Materialien, dem Schweregrad der Zahnfehlstellungen, der Anzahl der zu behandelnden Kiefer und der Behandlungsdauer. Somit schwanken die Preise grob zwischen 2000 – 9000 €.

Übernahme der Kosten für eine feste Zahnspange

Bei Kindern und Jugendlichen erfolgt eine Einstufung in die kieferorthopädischen Indikationsgruppen, kurz KIG. Fällt der Befund in mindestens Stufe 3, wird die Behandlung von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Jedoch werden nur die Kosten für die einfachsten Materialien, welche zur Behandlung notwendig sind, erstattet.

Bestimmte Zusatzleistungen, welche die Behandlung für den Patienten angenehmer oder schneller machen, müssen vom Patienten selbst gezahlt werden. Darunter fallen z. B. Mehrkosten für thermoelastische Bögen oder Keramikbrackets.

Die Behandlung von erwachsenen Patienten mit einer festen Zahnspange fällt für gewöhnlich nicht in den Zuständigkeitsbereich der gesetzl. Krankenversicherung. Nur bei Ausnahmefällen, wenn eine Kieferanomalie vorliegt und zusätzlich die operative Behandlung durch einen Kieferchirurgen notwendig ist, übernimmt die Krankenkasse die Kosten für das Kassenmodell (meist klassische Metallbrackets).

Eine Kostenübernahme durch private Krankenversicherungen ist durchaus möglich. Welche Kosten erstattet werden ist davon abhängig, was in den Vertragsbedingungen vereinbart wurde.

Gleiches gilt für private Zahnzusatzversicherungen. Je nach Tarif können bestimmte Kosten oder sogar die Gesamtkosten einer kieferorthopädischen Behandlung mit einer festen Zahnspange übernommen werden.


Alle wichtigen Fragen zur festen Zahnspange im Überblick

✅ Wie reinigt man eine festsitzende Zahnspange richtig?

Die Reinigung einer festsitzenden Zahnspange erfolgt mindestens mit Zahnbürste und Interdentalbürste. Mit der Zahnbürste und Zahnpasta werden die Zahnflächen oberhalb und unterhalb und, soweit möglich, neben den Brackets gereinigt. Natürlich müssen auch die Brackets selbst und die Zahninnenflächen gereinigt werden.

Für den Bereich zwischen den Brackets, welcher durch den Drahtbogen verdeckt wird, muss die Interdentalbürste verwendet werden. Mit der normalen Zahnbürste kann dieser Bereich nicht gründlich genug gereinigt werden, wodurch das Risiko für Karies und Zahnfleischentzündungen steigt.

Es können noch zusätzliche Hilfsmittel wie Zahnseide, Munddusche und Mundspüllösungen verwendet werden. Zahnseide sollte zusätzlich einmal täglich verwendet werden. Mundduschen und Mundspüllösungen können bei Bedarf eingesetzt werden.

✅ Was kann mit einer festsitzenden Zahnspange gegessen werden?

Mit einer festen Zahnspange kann im Grunde fast alles gegessen werden. Sehr harte Nahrungsmittel sollten in mundgerechte Stücke geschnitten werden und an den Backenzähnen gekaut werden. Ein Abbeißen könnte dazu führen, dass sich ein Bracket löst, was die Behandlung unnötig verzögern kann.

Worauf vollständig verzichtet werden sollte, wenn man eine Zahnkorrektur mit einer festsitzenden Zahnspange durchführen lässt, sind klebrige Nahrungsmittel. Karamellbonbons oder Kaugummis verhängen sich in den Brackets und im Bogen und können nur sehr schwer wieder entfernt werden. Rückstände setzen sich fest und können zu Karies führen.

✅ Hat man Schmerzen während der Behandlung mit einer festen Zahnspange?

Nach dem Einsetzen der festen Zahnspange müssen sich die Zähne und die Kiefer zunächst an den ungewohnten Druck gewöhnen. Dieser Druck wird vom Patienten als unangenehm wahrgenommen und kann vor allem beim Essen von härterer Nahrung als Schmerz empfunden werden.

Das gleiche tritt auf, wenn die Zahnspange nachgezogen wird. Bei den Kontrollterminen werden regelmäßig nächststärkere Bögen eingesetzt, wodurch der Druck erhöht und die Behandlung fortgesetzt wird.


Nach einer Eingewöhnungszeit von etwa drei Tagen haben sich die Zähne daran gewöhnt und der Druck verschwindet. In dieser Zeit kann, nach Rücksprache mit dem behandelnden Kieferorthopäden, ein leichtes Schmerzmittel eingenommen werden.