Viele Menschen verbinden einen Zahnabdruck beim Zahnarzt oder Kieferorthopäden mit einem unguten Gefühl. Erfahrungsberichte, wie schlechter Geschmack, Würgereiz oder sogar Atemnot schrecken viele Patienten ab.

Jedoch ist der Zahnabdruck häufig halb so schlimm. Mit wenigen Tricks lässt sich ein Zahnabdruck gut überstehen. Es gibt auch die Möglichkeit, bei einigen Behandlungen den Abdruck selbst zu Hause durchzuführen. Jedoch sollten sich Betroffene hierbei auch bewusst sein, mit welchen Problemen dies in Verbindung stehen kann.

Das Wichtigste vorab:

  • Bei einem Zahnabdruck wird ein Modell der Zähne des Patienten erstellt, welches den Ist-Zustand der Zahnstellung festhält.
  • Ein Zahnabdruck kann entweder mit einer Abdruckmasse oder mit Hilfe eines digitalen Scanners durchgeführt werden.
  • Ein Zahnabdruck wird in der Prothetik, zur Herstellung von Zahnersatz oder in der Kieferorthopädie benötigt.
  • Derartige Abdrücke des Gebisses können in manchen Fällen auch vom Patienten selbst zu Hause durchgeführt werden, was jedoch häufig mit einigen Komplikationen in Verbindung steht.

Was versteht man unter einem Zahnabdruck?

Bei einem Zahnabdruck wird mit einer speziellen Masse ein Abdruck der Zähne erstellt. Dadurch ist eine konkrete Darstellung der Zähne und der Kiefer des Patienten möglich. Das heißt, es wird eine Momentaufnahme des Ist-Zustandes des Kiefers erstellt.

Sinn des Abdruckes ist es, eine möglichst genaue Abbildung der Zahnstellung des Patienten zu erhalten, um die weitere Behandlung präzise planen zu können.

Zahnabdrücke werden in der Kieferorthopädie eingesetzt, um die Zahnstellung außerhalb des Mundes an einem Modell beurteilen zu können. Zudem werden sie verwendet, um eine Behandlung mit einer festsitzenden Zahnspange zu planen, bzw. um lose Zahnspangen und Schienen am Modell herzustellen.

Ein Kieferorthopäde hält einen Abdrucklöffel mit einem frisch genommen Abdruck eines Patienten

Daneben werden Zahnabdrücke in der Prothetik verwendet. Hier benötigt der Zahnarzt und Zahntechniker sehr präzise Abbildungen der Zähne, um Kronen, Brücken, Implantate & Prothesen oder anderen Zahnersatz herzustellen.

Letztendlich dienen Zahnabdrücke zudem dazu, den Behandlungsfortschritt zu überwachen und eine Erfolgskontrolle durchzuführen. Daher werden diese Abdrücke der Zahnstellung während einer kieferorthopädischen Behandlung mehrfach durchgeführt.

Zahnabdrücke werden sowohl bei Kindern und Jugendlichen, als auch erwachsenen Patienten genommen.

Arten des Zahnabdrucks

Je nach Behandlungsfeld können verschiedene Arten des Zahnabdrucks und des Abdruckmaterials verwendet werden.

Die Alginat Abdruckmasse

In der klassischen Abdrucknahme kommt meist Alginat als Abformmaterial zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um ein Pulver, welches aus Natrium- und Kaliumsalze der Alginsäure, sowie Kalziumsulfat und Natriumphosphat besteht.

Dieses wird mit etwas Wasser angerührt, wodurch eine Abdruckmasse entsteht, dessen Konsistenz etwa wie Gummi oder Knetmasse ist. Diese Masse wird in Abformlöffel eingeführt, welche in verschiedenen Größen vorhanden sind und je nach Kiefergröße gewählt werden.

Die mit Abdruckmasse gefüllten Löffel werden dann auf die Zähne des Patienten gedrückt, ein paar Minuten abgewartet, bis sie ausgehärtet ist und anschließend entnommen. So ist ein Negativabdruck der Zähne des Patienten entstanden. Dieser wird anschließend mit einem Spezialgips ausgegossen, wodurch man einen Positivabdruck des Gebisses erhält.

Silikon und Polyether Abdruckmasse

Abdrücke in der Prothetik bedürfen häufiger einer höheren Präzision als in der Kieferorthopädie. Daher bezeichnet man diese Zahnabdrücke auch als Präzisionsabdrücke.

Um einen exakt passenden Zahnersatz herstellen zu können, benötigt man eine möglichst präzise Abbildung der Zahnstellungen. Daher verwendet man hierfür Silikon oder Polyether als Abdruckmasse. Diese werden härter als das Alginat und bieten so eine genauere Abbildung. Der Ablauf der Abdrucknahme ist wie bei der Alginatmasse.

Digitaler Zahnabdruck

Eine neuere und sehr genaue Methode, ein Modell der Zahnstellung zu erstellen, ist der digitale Zahnabdruck. Diese Methode kommt vollständig ohne eine Abdruckmasse aus, was Patienten oft bevorzugen.

Beim digitalen Zahnabdruck wird ein Intraoralscanner verwendet, welcher etwa 7000 3D-Punkte pro Bild aufnimmt. Dabei gleicht er menschliche Einflüsse aus. Wenn zum Beispiel unscharfe Bilder durch Zittern des Behandlers entstehen, erkennt der hoch entwickelte Scanner dies und weist den Zahnarzt darauf hin, bestimmte Bereiche erneut zu scannen.

Der digitale Zahnabdruck ermöglicht es so, ein perfektes 3D-Modell der Zähne zu erstellen. Diese Methode der Abdrucknahme wird häufig bei Alignerbehandlung oder bei der Herstellung von Lingualspangen verwendet.

Vorteile und Nachteile der jeweiligen Methoden

Ob ein Zahnabdruck mit Abdruckmasse oder digital durchgeführt wird, ist von der zugrunde liegenden Behandlung und dem Nutzen des Abdrucks abhängig. Zudem zeigen beide Methoden Vor- und Nachteile.

AbdruckmethodeVorteileNachteile
Digitaler Zahnabdruck– Unkompliziert
– Kein Nachgeschmack
– Kein Würgereiz
– Sicheres und exaktes Ergebnis
– Scanner ist angenehmer im Mund zu führen als – Abformlöffel
– Echtzeitanalyse
– Praktisch als Simulation: Demonstration des Ist-Zustandes sowie einer geplanten Simulation
– 3D-Bild der Zahnstellung kann schnell online an Zahntechniker übermittelt werden
– Dauert etwas länger (ca. 10 min.)
– Kostenintensiver als ein Abdruck mit Abdruckmasse
Abdruckmasse– Dauert je nach Abdruckmasse 2 – 10 min.
– Kann vor Ort bearbeitet werden
– Kann unter Umständen selbst durchgeführt werden
– Unangenehmes Gefühl, oftmals Würgereiz
– Selten Atemnot während des Abdrucks
– Teilweise unangenehmer Geschmack im Mund
– Ggfls. Reste der Paste im Nachgang im Mund
– Wiederholung notwendig, wenn Abdruck nicht präzise genug
– Eventuell ungenau, vor allem wenn der Abdruck nicht professionell, sondern
zuhause durch einen Laien durchgeführt wurde.

Den Zahnabdruck beim Arzt gut überstehen

Vor allem bei der Verwendung der Abformmasse kommt es oftmals zu Problemen. Oft haben Patienten bereits im Vorfeld Angst vor der Abdrucknahme, da sie im Bekanntenkreis von Würgereiz und Atemnot in Verbindung mit einem Gebissabdruck gehört haben. Dabei muss ein Abdruck nicht so verlaufen, sondern ist meistens halb so schlimm wie befürchtet.

Folgende Tipps können dem Patienten helfen, einen Zahnabdruck gut zu überstehen:

  • Mund weit offen lassen
  • Innerhalb der Festigungszeit (ca. 30 Sek.) nicht zusammenbeißen
  • Tief über die Nase ein- und ausatmen
  • Beim Aushärten stillhalten. Sollte der Abdruck verwackeln, muss er wiederholt werden.
  • Gedanklich ablenken (z.B. nächstes Urlaubsziel, Kinobesuch, etc.)
  • Beim Abdruck aufrecht sitzen (erleichtert die Atmung)
  • Beim Oberkiefer Abdruck kann es helfen, das Kinn zur Brust zu nehmen
  • Die Zunge bei einem UK-Abdruck nach oben an den Gaumen legen

Abdrücke selbst machen

Meist in Kombination mit Alignern bzw. Invisalign Zahnspangen findet man immer häufiger Angebote in Verbindung mit „at home“ Abdruck-Kits. Hier soll der Abdruck, welcher für die Herstellung der Zahnspange maßgeblich ist, selbstständig durch den Patienten selbst zu Hause durchgeführt werden.

Dies geschieht vollständig ohne Überwachung eines Zahnarztes bzw. Facharztes. Mit Hilfe einer Anleitung wird der Patient angewiesen, wie er die Prozedur durchzuführen hat. Das Ergebnis wird dann an das jeweilige Labor geschickt.

Jedoch wird die Abdrucknahme beim Zahnarzt bereits häufig als unangenehm empfunden. Selbst einen Abdruck durchzuführen ist daher leichter gesagt als getan und ist häufig mit einigen, zum Teil schwerwiegenden, Problemen verbunden.

Probleme der selbst erstellten Abdrücke

Will man als Laie einen Abdruck durchführen, können einige Probleme entstehen. Bei einem Gebissabdruck ist es wichtig, nicht zu viel aber auch nicht zu wenig Druck auszuüben. 

Stimmt die Abdrucktiefe nicht, so ist entweder der Übergang zwischen Zahn und Zahnfleisch nicht erkennbar oder einzelne Zähne sind an der Zahnkrone abgeschnitten. Zudem kann der Druck ungleichmäßig ausgeübt werden, wodurch die Zähne im Modell später auf einer Seite länger als die anderen sind.

Der Abdrucklöffel muss richtig eingesetzt und bis über die hinteren Backenzähne reichen. Bei sich selbst einen Abdruck durchzuführen bedeutet, maximal einen Spiegel zur Verfügung zu haben. Es lässt sich so nur schwer erkennen, ob der Löffel vollständig und richtig sitzt.

Zudem muss sich der Patient bei der gesamten Prozedur ruhig verhalten. Verwackelt der Abdruck, muss er unter Umständen erneut durchgeführt werden. Jedoch hat der Patient zu Hause nicht die Möglichkeit, das Ergebnis durch ein geschultes Auge überprüfen zu lassen.

Die gewünschte Zahnspange wird anschließend anhand des selbst erstellten Abdrucks hergestellt. Ist diese Abdrucknahme nicht optimal verlaufen kann es so weit kommen, dass der Patient eine Zahnspange erhält, welche nicht passt.

Alternative zum selbst erstellten Zahnabdruck

Wird ein Zahnabdruck, welcher als Vorlage für eine Zahnspange dienen soll, ohne professionelle Hilfe zu Hause durchgeführt, so kann es unter Umständen zu schwerwiegenden Problemen kommen. Die Zahnspange passt nicht perfekt zu der Zahnstellung des betroffenen Patienten, was im Schlimmsten Fall zu einer falschen Bewegung der Zähne führen kann.

Um eine kieferorthopädische Behandlung mit dem gewünschten Ergebnis exakt und präzise durchzuführen, sollte daher bereits der Abdruck für die Zahnspange beim behandelnden Zahnarzt oder Kieferorthopäden durchgeführt werden. 

Ein professioneller Abdruck bietet dem Patienten unter anderem folgende Vorteile:

  • Exakter und richtiger Abdruck 
  • Optimal sitzende Zahnspange
  • Geschultes Personal für Tipps bei individueller Situation (z.B. Würgereiz)
  • Routineeingriff des Arztes
  • Fachärzte wissen worauf während des Abdrucks zu achten ist
  • Professionelle Kontrolle des Ergebnisses

Häufig gestellte Fragen zum Thema Zahnabdrücke

Wie wird der Zahnabdruck zum Kinderspiel?

Ein Gebissabdruck muss nicht so schlimm sein, wie er von vielen Patienten befürchtet wird. Wichtig ist vor allem, dass sich der Patient während des Abdrucks ruhig verhält. Verwackelt der Abdruck, dann muss er wiederholt werden. Zudem sollte die Zunge beim unteren Abdruck Richtung Gaumen gestreckt werden, damit sie sich nicht in den Abdruck presst.

Angenehmer für den Patienten wird es, wenn er tief durch die Nase atmet. Dadurch wird der Würgereflex geringer. Zudem ist es hilfreich, das Kinn zur Brust zu senken. Ablenkung spielt hier auch eine große Rolle. An etwas anderes denken oder durch den Zahnarzt oder die Zahnarzthelferin abgelenkt zu werden, macht es für den Patienten um einiges angenehmer.

Was kostet ein Zahnabdruck und wer übernimmt die Kosten?

Die Kosten für einen Zahnabdruck sind abhängig von der Art des Abdrucks und auch von der Praxis. Für gewöhnlich ist der digitale Zahnabdruck mit etwa 20 Euro – 50 Euro kostspieliger, als ein Abdruck mit Abformmasse.

Eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist dann möglich, wenn der Befund bei Kindern und Jugendlichen in die kieferorthopädischen Indikationsgruppen 3, 4 oder 5 eingestuft wird. Bei erwachsenen Männern und Frauen ist eine Kostenübernahme in der Regel nicht möglich.