Wenn beim Sprössling die Zähne schief wachsen, ist das kein Grund zur Panik. Fehlstellungen können meist problemlos vom Kieferorthopäden korrigiert werden. Voraussetzung: Die Fehlstellungen werden früh genug erkannt. Erfahren Sie, wann Ihr Kind zum ersten Mal dem Kieferorthopäden vorgestellt werden sollte, was es mit den KIG-Einstufungen auf sich hat und in welchen Fällen die Krankenkasse die Kosten übernimmt.

Warum ist der Kieferorthopäde wichtig und notwendig?

Eine KFO-Behandlung bei Kindern dient nicht nur der Optik, sondern ist häufig eine ernst zu nehmende medizinische Notwendigkeit. Denn wachsen die Zähne schief und schließen Ober- und Unterkiefer nicht optimal, kann dies weitreichende gesundheitliche Folgen haben. So bildet sich bei zu eng stehenden Zähnen leichter Karies, weil die Reinigung schwieriger ist. Zahnfehlstellungen sind darüber hinaus nicht selten die Ursache für bspw.:

  • Verspannungen
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Konzentrationsstörungen

Außerdem erschwert eine starke Fehlstellung die Aussprache bestimmter Konsonanten. Derartige Konsequenzen können das soziale Miteinander und die schulischen Leistungen der Kinder negativ beeinträchtigen.

Bei Nichtbehandlung können Langzeitfolgen auftreten

Wird eine Fehlstellung nicht rechtzeitig behandelt, können Langzeitfolgen auftreten, die mitunter zu chronischen Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich führen. Bei zu eng stehenden Zähnen ist außerdem mit Karies zu rechnen. Natürlich sind kieferorthopädische Behandlungen auch im Erwachsenenalter noch möglich, haben jedoch meist geringeren Erfolg, da sich der ausgewachsene Kiefer nicht mehr so leicht korrigieren lässt.

Wann ist die kieferorthopädische Behandlung nicht sinnvoll?

Geringe Zahnfehlstellungen, die optisch kaum ins Gewicht fallen und dem Patienten weder kurzfristig noch langfristig Beschwerden verursachen, müssen nicht behandelt werden. Bei derartigen Fällen liegt es im Ermessen der Eltern, ob die Kinder eine Korrektur benötigen – man spricht dann von „kosmetischen Eingriffen“, die allein der Optik dienen, medizinisch aber nicht dringlich sind.

Wann sollte man zum erste Mal zum Kieferorthopäden?

Inzwischen wird empfohlen, Kinder bereits ein Jahr vor ihrer Einschulung von einem Kieferorthopäden untersuchen zu lassen, um auszuschließen, dass es Anzeichen schwerwiegender Fehlbildungen gibt. Sobald das Kind neun Jahre alt ist, kann ein zweiter Check vorgenommen werden. Die dritte und wichtigste Kontrolle findet idealerweise dann statt, wenn alle Milchzähne ausgefallen sind und die bleibenden Zähne sich zeigen.

Der Unterschied zwischen Frühbehandlung & Hauptbehandlung

In seltenen Fällen ist eine Frühbehandlung am Milchgebiss oder gar im Säuglingsalter angezeigt. Eine solche KFO-Frühbehandlung kann beispielsweise dann notwendig werden, wenn eine angeborene Kiefer-Gaumen-Spalte vorliegt oder das Milchgebiss so schief wächst, dass die Nahrungsaufnahme und das Sprechen stark behindert sind.

Die übliche Hauptbehandlung setzt zu Beginn der zweiten Zahnwechselphase an – bei normaler Entwicklung also zwischen dem 10. bis 13. Lebensjahr des Kindes.

Warum lohnt es sich, das Kind schon früh dem KFO vorzustellen?

Ein wacher Blick auf die Zahnentwicklung des Kindes lohnt sich bereits im Grundschulalter, denn in jungen Jahren können beginnende Fehlstellungen schneller und leichter korrigiert werden.

Wie lange dauert eine Behandlung?

Je nach Zeitpunkt des Behandlungsbeginns und der Schwere der Diagnose muss mit einer Behandlungsdauer von ein bis zu drei Jahren gerechnet werden. Dabei kommt es jedoch auch auf die Wahl der Korrekturen an: Lockere Spangen ziehen meist eine längere Tragezeit nach sich als feste Spangen.

Wer übernimmt die Kosten einer KFO-Behandlung? 

Die Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen hängt von der jeweiligen KIG-Einstufung ab, die die Schwere der Fehlstellung klassifiziert. Die Kosten der medizinisch notwendigen Korrekturen bei Kindern bis zum 18. Lebensjahr werden von den Krankenkassen getragen.

Folgende Punkte sind bezüglich der Kostenübernahme zu beachten:

  • Bei den Stufen KIG1 und KIG2 spricht man von „ästhetischen Korrekturen“, die selbst gezahlt werden müssen.
  • Behandlungen für die Stufen KIG3 bis KIG5 gelten als medizinisch notwendig und werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
  • Die Antragsteller müssen zunächst einen Eigenanteil von 20 Prozent selbst aufbringen, bekommen ihn aber nach erfolgreich abgeschlossener Behandlung zurückgezahlt. Wird die Behandlung vorzeitig abgebrochen, wird der Eigenanteil von 20 Prozent nicht erstattet.
  • Hinter dem Kürzel AVL verbergen sich kieferorthopädische Zusatzleistungen, die nicht von den Kassen übernommen werden. Zu den AVL zählen unter anderem professionelle Zahnreinigungen, kleinere oder durchsichtige Brackets, hochflexible Bögen bei festen Spangen, Keramikbrackets, spezielle Funktionsdiagnostik und Retainer, die zur Stabilisierung des Behandlungserfolges empfohlen werden.
  • Außerdem besteht die Möglichkeit, die Kosten einer kieferorthopädischen Behandlung als außergewöhnliche Mehrbelastung von der Steuer abzusetzen. Doch Vorsicht: Je nach Einkommen fällt der übliche Eigenanteil unterschiedlich hoch aus.
  • Private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten einer KFO-Behandlung für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren fast immer.
  • Falls die Versicherung die Kosten nicht übernimmt, müssen die Eltern je nach Wahl der Behandlungen mit einer Gesamtsumme von 1000 bis 10.000 Euro rechnen.

Was genau sind die KIG-Kategorien?

An der Abkürzung KIG kommen Eltern, die sich mit dem Thema Kieferorthopädie beschäftigen, nicht vorbei. KIG bedeutet „kieferorthopädische Indikationsgruppen“. Diese Gruppen teilen sich in unterschiedliche Schweregrade auf.

Insgesamt gibt es fünf Kategorien:

KIG1: In diese Gruppe fallen leichte Fehlstellungen – zum Beispiel ein minimaler Überbiss von bis zu drei Millimetern. Sie gelten als ästhetisches, nicht aber als gesundheitliches Problem. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten einer solchen Behandlung daher nicht. 

KIG2: Beim KIG2 ist es die Entscheidung der Eltern, ob behandelt wird oder nicht – in diese Kategorie werden geringe Fehlstellungen eingeordnet, deren Behandlung zwar als medizinisch sinnvoll gilt, aber nicht zwingend notwendig ist. Entscheiden sich die Eltern für eine Korrektur, müssen sie die Kosten selbst tragen – es sei denn, sie haben eine entsprechende Zahnzusatzversicherung abgeschlossen.

KIG3: Zahnfehlstellungen, die zur Klasse 3 gehören, sind ausgeprägterer Natur und erfordern eine kieferorthopädische Behandlung – zum Beispiel ein beidseitiger Kreuzbiss. Hier übernimmt die Kasse alle Kosten. Ausnahme: Zusatzleistungen wie eine professionelle Zahnreinigung.

KIG4: Bei einer Einstufung in die KIG4 sollten die Eltern keinesfalls zögern, eine Korrektur anzustreben, denn sie beinhaltet stark ausgeprägte Fehlstellungen. Eine medizinische Korrektur ist dringend angezeigt. Beispiele für Fehlstellungen in der KIG4 sind ein offener Biss oder fehlende Zähne. 

KIG5: Zahnfehlstellungen im KIG5 sind nicht zu übersehen und bereiten dem Kind häufig auch beim Sprechen Schwierigkeiten – beispielsweise, wenn es einen starken Überbiss („Hasenzähne“) hat. Wie bei der KIG3 und KIG4 übernimmt die Krankenkasse die Behandlungskosten. Zusatzleistungen müssen selbst getragen werden.
 

Welche Korrekturmöglichkeiten gibt es?

 Die Palette der Korrekturmöglichkeiten hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stetig weiterentwickelt. Nach wie vor kommen je nach Alter und Schweregrad entweder herausnehmbare oder feste Spangen zum Einsatz. Außerdem gibt es spezielle Lückenhalter, die bei verfrühtem Milchzahnverlust verordnet werden können.

Lose Spangen: herausnehmbar und flexibel

Lose Spangen können zur Korrektur leichter Fehlstellungen eingesetzt werden. Ihr klares Plus ist die Flexibilität – das Kind darf auch mal „Pause machen“. Je nach Charakter und Disziplin kann dies aber Nachteile nach sich ziehen, denn der Erfolg einer losen Spange hängt davon ab, wie regelmäßig sie genutzt wird.

Brackets: Feste Spangen mit unterschiedlicher Optik

Bei den festen Spangen werden nach einer Vorbehandlung so genannte Brackets auf der Außenseite der Zähnen angebracht: kleine Plättchen aus Metall, Keramik oder Kunststoff, die anschließend durch Drahtbögen miteinander verbunden werden. Mithilfe fester Spangen können Zähne samt Wurzel nach und nach in eine andere Position gebracht werden. Daher eignen sie sich besonders gut für Fehlstellungen der KIG4 und KIG5, erfordern aber eine penible tägliche Reinigung.

Linguale Zahnspangen: innenliegende Brackets

Linguale Zahnspangen basieren auf flachen Brackets, die auf der Innenseite der Zähne angebracht werden und daher nahezu unsichtbar sind. Linguale Zahnspangen haben darüber hinaus den Vorteil, dass der Patient die Behandlungseffekte mit beobachten kann.

Unsichtbare Zahnspangen: Aligner

Aligner sind relativ neu auf den Markt und optisch am ehesten mit den „Knirscheschienen“ zu vergleichen: Sie bestehen aus transparentem Kunststoff und werden über die Zähne geschoben. Aligner müssen bis zu 22 Stunden am Tag getragen und regelmäßig erneuert werden. Außerdem können sie nur bei leichten Zahnfehlstellungen eingesetzt werden.

Minimalspange: Der Lückenhalter

Manchmal verlieren Kinder frühzeitig Milchzähne – beispielsweise, wenn sie wegen Karies gezogen werden müssen. In einem solchen Fall kann ein Lückenhalter sinnvoll sein, der wie eine Art Prothese funktioniert und die Lücke für den später nachwachsenden bleibenden Zahn offen hält.


Häufig gestellte Fragen zum Thema Kieferorthopädie für Kinder

In welchem Alter sollten die Kinder das erste Mal zum Kieferorthopäden?

Bei auffälligem Zahnwachstum sollten Kinder ein Jahr vor der Einschulung dem Kieferorthopäden vorgestellt werden, damit über eine Frühbehandlung nachgedacht werden kann. Spätestens mit dem Erreichen des zwölften Lebensjahrs sollte eine gründliche kieferorthopädische Untersuchung erfolgen. Je früher mit einer Behandlung begonnen wird, desto schneller zeigen sich in der Regel die Erfolge.

Grundsätzlich gilt: Wann immer das Kind Probleme beim Sprechen und Kauen hat, ist ein Besuch beim Kieferorthopäden sinnvoll.

Wer trägt die Behandlungskosten?

Bei Fehlstellungen der KIG3 bis KIG5 übernehmen die Krankenkassen die Behandlungskosten – vorausgesetzt, die Kinder haben das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet. Ausnahme sind Zusatzleistungen (AVL). Sie müssen selbst bezahlt werden.Die Kosten für die Fehlstellungen der Klassen KIG1 und KIG2 müssen die Eltern selbst leisten. Manchmal bieten KFO-Praxen jedoch die Möglichkeit der Ratenzahlung an.

Gesundheitskosten können als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abgesetzt werden, wobei der Eigenanteil je nach Einkommen unterschiedlich hoch ist.

Welche Rolle spielen die Weisheitszähne nach einer KFO-Behandlung?

Weisheitszähne brechen fast immer am Ende des zweiten Lebensjahrzehnts durch. Manchmal kommt es vor, dass kieferorthopädisch behandelte Zähne sich in dieser Zeit wieder leicht in die ursprüngliche Position zurück verschieben. Ob die Weisheitszähne dafür verantwortlich sind, ist wissenschaftlich jedoch nicht abschließend geklärt.

So oder so kann es passieren, dass sich die Zähne im späten Jugendalter trotz kieferorthopädischer Behandlung wieder verschieben. Um das zu verhindern, können so genannte Retainer eingesetzt werden, die jedoch in die Kategorie der Zusatzleistungen (AVL) gehören.